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Film Review: American Beauty
Heute will ich nach langer Zeit wieder einmal meine gedanklichen Ergüsse mit euch teilen und meine Meinung bzw. Interpretation zum Film American Beauty aufzeigen.

Der Film handelt von einem einfachen Vorstadtbürger, Lester Burnham, der mit seiner Frau Carolyn und seiner Teenager Tochter Jane in scheinbarer Idylle in einem wunderschönen amerikanischen Traumhaus lebt. In der Nachbarschaft zieht zudem im Laufe des Films eine weitere Familie ein, die aus dem autoritären Ex-Marine Colonel Frank Fitts, seiner Frau, die an einer demenzartigen Krankheit zu leiden scheint, und seinem auf dem ersten Blick geisteskranken Sohn Ricky Fitts besteht. Lester's Tochter Jane hat zudem eine Freundin namens Angela, die sehr egoistisch und zickig ist. Im Laufe des Films bricht jedoch die Fassade, die die Charaktere aufgebaut haben in sich zusammen und ein Blick ins Innere der Charaktere wird möglich.
"Unsere Ehe besteht nur noch aus Fassade. Ein Werbespot, der zeigt wie normal wir sind. Obwohl wir alles andere als das waren".(Lester Burnham)
Dieses Zitat trifft die Quintessenz des Films am besten. Die Idylle in der Lester mit seiner Familie wohnt ist der scheinbare amerikanische Traum. Ein großes weißes Haus in einem idyllischem Vorort, weißer Zaun, rote Tür, Rosengarten. Jeden Tag wird gemeinsam in einem klischeehaft wirkenden Esszimmer mit Fahrstuhlmusik zu Abend gegessen. Unter der Fassade verbirgt sich jedoch ein trauriges Bild, dass man zu verbergen versucht.
Lester droht die Kündigung durch einen jungen Manager, der eine mögliche Kündigung Lesters durch eine euphemistische Rationalisierung begründet. Zusätzlich ist Lester's und Carolyn's Sexleben gestört. Lester masturbiert in der Dusche und verliebt sich in Jane's Freundin Angela.
Lesters Frau geht es nicht besser. Der Beruf des Immobilienmaklers ist ihr Leben und sie scheint schon lange kein gutes Geschäft mehr gemacht zu haben. Sie versucht sich mit Autosuggestion vergeblich nach dem Erfolg zu greifen. Ironischerweise ist Carolyn auf Grund ihres Berufs gezwungen die privaten Probleme unter der Oberfläche zu verbergen: "Nur wer das Image des Erfolgs ausstrahlt kann selbst erfolgreich sein" ist ein weiteres Zitat aus dem Film.
Jane ist ein verwirrter Teenager, der auf eine Brustvergrößerung spart. Sie scheint in der Schule nicht viel beachtet zu werden, daher vielleicht der Wunsch nach einer Brustvergrößerung. Sie wird von ihren Eltern mit Worten wie "Jane legst du es darauf an hässlich auszusehen?" beschossen und wirkt eher als Außenseiter.
Angela Hayes, Jane's beste Freundin, ist eine sehr extrovertierte, nach außen selbstbewusste Frau, die alle möglichen Mittel nutzt um im Mittelpunkt zu stehen. Sie erfindet dazu alle möglichen Lügengeschichten über sexuelle Erfahrungen um vor anderen Leuten als attraktiv und erfahren dazustehen. Ihre Freundschaft mit Jane hat meiner Meinung nach einen Hintergrund: Wenn man ihren Charakter mit Jane's vergleicht fällt einem auf, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Jane ist "hässlich", Angela "hübsch", Jane introvertiert, Angela extrovertiert, Jane ist ehrlich, Angela lügt wie gedruckt, Jane will nicht im Mittelpunkt stehen, Angela will im Mittelpunt stehen. Angela braucht Jane also nur um sich selber besser vorzukommen.
Ricky Fitts ist ein am Anfang geheimnisumwobener Junge. Er soll in der Klapsmühle gewesen sein und seine Vergangenheit ist sehr schleierhaft. An der Oberflache ist er ein braver konformer Junge, der sich sein Gehalt mit Gelegenheitsjobs aufbessert. Er ist jedoch ein sehr erfolgreicher Drogendealer und hat ein Fable für das Filmen von Situationen. Im Laufe des Films erfährt man, dass sein Vater ihn wegen Drogen auf eine Militärakademie geschickt hat. Dort kam er aufgrund der "Disziplin und Struktur" nicht zurecht und wurde deswegen von der Schule geschmissen. Kurz darauf hatte er einen heftigen Streit mit seinem Vater. Am nächsten Tag entlud sich seine Wut an einem Klassenkollegen, der eine abfällige Bemerkung über seinen Haarschnitt gemacht hatte. Er ist sehr selbstbewusst und versucht mit allen Mitteln seine Drogendealerkarriere vor seinem Vater geheim zu halten.
Frank Fitts ist ein autoritäterer Familienvater der früher bei den Marines war: Dementsprechend militärisch ist sein Auftreten. Auch hier in der Familie der Fitts findet man dieses klischeehafte Zusammensetzen beim (Schwarzweiß)fernseher. Frank hat dazu noch eine Abscheu gegen Homosexuelle, die er im Film ein paar Mal ausdrückt. Schlussendlich vermute ich, aufgrund der Szene in der Garage in der Frank Lester küsst, dass er ebenfalls homosexuell ist.
Weitere interessante Fakten:
- In den letzten Szenen, wo sich Lester und Angela treffen, und es bereits absehbar ist, dass Sie etwas miteinander haben werden sieht man in jeder Szenen Rosen. Diese finden sich auch in jeder Traumszene von Lester und stellen somit eine Verbindung zu diesen Szenen dar.
- Bei der surreale Szene, in der Carolyn im Regen das Haus ansieht, ist die rote Türe besonders betont. Dies deutet meiner Meinung bereits auf den kommenden Tod von Lester hin.
- Die Szene in der Ricky den toten Lester ansieht ähnelt einer von Ricky beschriebenen Erfahrung, bei der er eine erfrorene Obdachlose lange angesehen hat. Er meinte man kann darin für einen kurzen Moment Gottes Blick sehen und ihn erwiedern. Dies sieht man auch in dieser Szene: Ricky lacht Lester an, daher kann vermutet werden, dass er auch hier Gottes Blick gesehen und erwidert hat.
- Carolyn schreit im Auto wiederholt "Ich werde nie wieder Opfer sein". Man kann hier nicht nur Lester als "Täter" sehen, sondern auch die Gesellschaft, deren Opfer Carolyn wurde.
- Die Fahrstuhlmusik beim zweiten Essen, bei dem Lester der Familie seine Wandlung zeigt, beinhaltet am Schluss "A Bright Shiny World", was wieder ein Querverweis auf die Fassade der "Schönen Welt" ist.
- Jedesmal wenn sich die Charaktere gegenüberstehen herrscht eine gewisse Symmetrie, die ich jetzt aber nicht interpretieren kann.
- Auch zum Schluss ist nicht ganz klar wer Lester umgebracht hat. Man sieht nur kurz einen Waffenlauf, der ähnlich wie die Waffe von Carolyn aussieht. Im Gegensatz sieht man jedoch den blutüberströmten Frank, bei dessen Nazisammlung eine Pistole fehlt. Es soll absichtlich geheim gehalten werden wer genau Lester umgebracht hat. Hier kann man auch der Gesellschaft die Rolle des Mörders geben, da Lester die Normen der Gesellschaft missachtet und dafür muss er quasi bestraft werden. Ist nur ein kleiner Gedankengang. ![]()
Persönliche Meinung:
American Beauty ist meiner Meinung nach einer der genialsten Filme der jemals gedreht wurde. Er zeigt, dass unter der Fassade ziemlich viel verborgen sein kann. Die Schauspielerei ist sehr gut, herauszuheben wieder einmal Kevin Spacey der Lester Burnham perfekt imitiert. Ich möchte jedem die letzten 5 Minuten ans Herz legen, bei dem Lester den Flashback beschreibt. So eine rührende Ansprache mit dieser fliegenden Einkaufstüte ist meiner Meinung nach einzigartig. Beenden möchte ich dieses Review mit einem meiner Lieblingszitate, das aus American Beauty stammt:
"Eigentlich könnte ich ja ziemlich sauer sein, was mir widerfahren ist. Aber fällt schwer wütend zu bleiben wenn es so viel Schönes auf der Welt gibt. Manachmal hab ich das Gefühl all die Schönheit auf einmal zu sehen, doch das ist einfach zu viel. Mein Herz fühlt sich dann an wie ein Ballon, der kurz davor ist zu platzen. Und dann geht mir durch den Kopf, ich sollte mich entspannen und aufhören die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen und ich kann nichts empfinden als pure Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment meines dummen kleinen Lebens." Lester Burnham
cheers
Pritzi
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